Generation Österreich - Wie wir wurden. Was wir sind.
In 6 Folgen zeigt diese Dokumentationsreihe die prägendsten geschichtlichen Ereignisse Österreichs und wie die ÖsterreicherInnen wurden was sie sind.
Folge 1 - Wir sind alleine Die erste Folge der Doku-Reihe "Wir sind alleine" führt uns in die Zeit der unglücklichen Ersten Republik. Es werden Schlaglichter auf Menschen und Ereignisse geworfen, die die Fundamente für das Entstehen der "Generation Österreich" gelegt haben. Zeitzeugen wie Heinrich Treichl, Berta Stimpfl, Felicitas Wester, Frieda Jeszenkovitsch, Hans Saxinger, Fritz Probst, Fritz Molden, Walter Stern, Dorothea Haider erinnern sich an die Abtrennung Südtirols, die Kärntner Volksabstimmung, die Entstehung des Burgenlands, von der Julirevolte über den Bürgerkrieg zum Juliputsch und andere prägende Ereignisse der ersten Republik. Die Dokumentation spannt einen Bogen vom Ersten Weltkriege bis zur Auslöschung Österreichs durch den "Anschluss" und erinnert damit an die Anfänge der Generation Österreich in einem "Staat, den keiner wollte". Folge 2 - Endlich wieder Österreich Die zweite Folge zeigt den Beginn eines neuen Österreichs und Schlüsselereignisse, die zur Entstehung eines neuen Österreichgefühls beigetragen haben: Die Nachkriegsjahre. Hans Magenschab erzählt, wie die legendäre Weihnachtsansprache von Bundeskanzler Leopold Figl - "Ich kann Euch zu Weihnachten nichts geben … Ich kann Euch nur bitten, glaubt an dieses Österreich!" - zustande kam. Ein neuer Staat brauchte auch eine eigene Hymne: Fritz Molden erinnert sich, wie seine Mutter den Text der Bundeshymne dichtete. Und eines der wichtigsten Nationalsymbole hält wieder Einzug in Wien: Prälat Josef Weismayer erzählt vom Triumphzug der Pummerin von St. Florian zum Wiener Stephansdom. Mit dem Staatsvertrag erhält Österreich endgültig seine Freiheit: Der Diplomat Franz Matscher erinnert sich, wie die endgültige Fassung diktiert wurde. Zeitzeugen wie Senta Wengraf, Peter Lichtner-Hoyer, Erich Lessing, Ernst Trost u.a. erzählen von gesellschaftlichen, sportlichen und kulturellen Höhepunkten: vom Opernball über die Sissi-Filme bis zu den Siegen von Toni Sailer werden die bewegendsten Ereignisse und ihre Auswirkungen geschildert. Folge 3 - Wir sind wieder wer In einer der heißesten Phasen des Kalten Krieges kommt es in Wien zu einem Gipfeltreffen der Regierungschefs der zwei Supermächte USA und Sowjetunion. Martha Kyrle, Tochter des damaligen Bundespräsidenten, erzählt von ihren Gästen Jacky Kennedy und Nina Chruschtschowa. Viele Österreicher können sich mit dem Verlust von Südtirol noch immer nicht abfinden, in den 1960er Jahren werden die ersten Sprengstoffanschläge in Südtirol verübt: Herlinde Molling schildert, wie sie Sprengstoff schmuggelte und selbst einen Strommasten sprengte. In diesem Jahrzehnt findet auch das erste Volksbegehren der 2. Republik statt: Hugo Portisch und Gerd Bacher erläutern die Hintergründe, die zum Volksbegehren (Rundfunkvolksbegehren) und der ORF-Reform von 1967 führten. Innenpolitisch ist diese Zeit ebenfalls sehr bewegt: Karl Blecha bekennt, dass er bis zum Wahltag 1970 nicht an einen Sieg Kreiskys glaubte, und Erika Pluhar schildert die Entstehung der Frauenbewegung in Österreich. Udo Jürgens sichert sich den ersten Platz beim Eurovision Songcontest und Karl Merkatz spricht über seine Rolle als Mundl in "Ein echter Wiener geht nicht unter". Die Disqualifikation von Karl Schranz bei den Olympischen Spielen in Sapporo bewegte das Land wie kaum ein anderes Ereignis: Bei seiner Rückkehr nach Wien wurde er von vielen tausend Menschen bejubelt und wie ein Held gefeiert. Karl Schranz erinnert sich an diese Ereignisse und erläutert die Hintergründe. Den traurigen Abschluss bildet der Überfall und die Geiselnahme in der OPEC Zentrale in Wien: Der Polizist Ernst Wallaschek berichtet von jenen Tagen. Folge 4 - Es muss sich etwas ändern Am 21. Dezember 1975 betreten gegen 11:45 Uhr sechs Terroristen das OPEC-Gebäude. Sie tragen mit Waffen und Sprengstoff bepackte Sporttaschen bei sich und gelangen ungehindert in den ersten Stock. Dort treffen sie auf den Polizeibeamten Anton Tichler, der mit einem Kollegen, die Konferenz der Erdölminister bewacht. Mitte der siebziger Jahr ist die österreichische Polizei nicht auf die Bekämpfung von internationalen Terroristen vorbereitet. Die Geiselnehmer, unter ihnen auch zwei Deutsche, werden von einem international gesuchten Terroristen, Ilich Ramirez Sanchez genannt Carlos, angeführt. Neben politischen Forderungen zur Unterstützung des Kampfes der Palästinenser ist die Erpressung von Lösegeld Ziel der Gewaltaktion. Der eilig einberufene Krisenstab unter der Führung von Bundeskanzler Bruno Kreisky (1911-1990) gibt nach. Die Terroristen dürfen mit den als Geiseln genommenen Erdölministern mit einer AUA-Sondermaschine das Land verlassen. Innenminister Otto Rösch (1917-1995) verabschiedet den Terroristenchef persönlich. Dieser Handschlag sorgt in den österreichischen Medien für Diskussionen. Anfang der siebziger Jahre gehen Frauen weltweit auf die Straßen: Sie kämpfen für eine Liberalisierung des Eherechts, Besserstellung in Gesellschaft und Beruf und Freigabe der Abtreibung. Die deutsche Feminismus-Ikone Alice Schwarzer hat auch großen Einfluss auf die österreichische Frauenbewegung. Erika Pluhar und Alice Schwarzer erzählen. In den Jahren 1975 bis 1978 wird das Familienrecht unter Justizminister Christian Broda (1916-1987) umfassend reformiert. Die "partnerschaftliche Ehe" tritt in den Vordergrund. Am 1. Jänner 1975 tritt in Österreich die sogenannte "Fristenlösung" in Kraft. Nach dieser Regelung ist - ohne medizinische Gründe - der Schwangerschaftsabbruch innerhalb der ersten drei Schwangerschaftsmonate straffrei. Ende der siebziger Jahre gibt es fünf weibliche Regierungsmitglieder. Am 8. Juni 1975 strahlt der ORF das Fernsehspiel "Das Salz der Erde" nach einem Roman von Ernst Hinterberger (1931-2012) aus. Wegen des großen Erfolges werden zwei weitere Folgen gedreht. Daraus entsteht die 24teilige Kultserie "Ein echter Wiener geht nicht unter". Im Mittelpunkt steht die Familie Sackbauer. Karl Merkatz erzählt über seine Rolle als Mundl Sackbauer. Am 1. August 1976 stürzt zwischen 4:53 Uhr und 4:55 Uhr die Reichsbrücke ein. Friedrich Fürst erzählt, wie er es gerade noch von der einstürzenden Brücke schaffte. Am Nachmittag des Tages, der mit dem Einsturz der Reichsbrücke begonnen hatte, verunglückte Niki Lauda beim "Großen Preis von Deutschland": Sein Ferrari 312 T2 prallte gegen eine Felswand und ging in Flammen auf. Hans Joachim Stuck erinnert sich. Jeder Österreicher kennt heute noch den legendären Ausruf von Edi Finger (1924-1989) beim 2:3-Sieg Österreichs gegen Deutschland: "Tooor, Tooor, Tooor - i wird’ narrisch!" - ein Ereignis, um das sich im Laufe der Jahrzehnte diverse Mythen gebildet haben, die Fußballboss Beppo Mauhart kritisch beleuchtet. Hannes Androsch wird im Alter von 32 Jahren Minister im Kabinett Kreisky I und gilt jahrelang als Kronprinz des Kanzlers. Anfang der achtziger Jahre sorgen der AKH und der Noricum-Skandal für Schlagzeilen. Auch das negierte Volksbegehren gegen den Bau des Wiener Konferenzzentrums schadet dem Ansehen der Regierung. Vizekanzler Androsch sieht sich nach jahrelangem Konflikt um seine Firma Consultatio dazu gezwungen aus der Regierung auszuscheiden. Bundeskanzler Bruno Kreisky hat nach zwölf Jahren die absolute Mehrheit verloren und tritt 1983 zurück. Der Ölschock macht bewusst, dass die Verfügbarkeit von Rohstoffen nicht selbstverständlich ist. Die Regierung Kreisky beschließt, dass Österreich wenigstens in der Stromerzeugung autark sein soll. Das Atomkraftwerk Zwentendorf wird gebaut. Zwentendorf und Hainburg verändern die österreichische Gesellschaft. Es gibt auch eine neue Partei: Die Umweltbewegten unter uns können jetzt die Grünen wählen. Der Lucona-Skandal 1987 veröffentlicht der Journalist Hans Pretterebner das Buch "Der Fall Lucona" gegen alle Widerstände im Eigenverlag. Udo Proksch (1934-2001) flüchtet ins Ausland, kehrt 1989 freiwillig zurück und wird verhaftet. Richter Hans Christian Leiningen-Westerburg bekommt den brisantesten Fall seiner Karriere zugeteilt. Der "Fall Lucona" weitet sich zum politischen Skandal aus. Folge 5 - Wir sind wir In der 5. Folge der Doku-Reihe kommen neben Paul Lendvai der Untersuchungsrichter im Fall des Briefbomben-Attentäters Franz Fuchs Erik Nauta, und der Musiker Thomas Rabitsch, der 10 Jahre mit Falco spielte, zu Wort. Paul Lendvai erinnert an die Waldheim-Affäre: Mitten im Bundespräsidentenwahlkampf 1986 bricht die mediale Hölle aus: Der ehemalige Oberleutnant Kurt Waldheim (1918-2007) wird von in- und ausländischen Medien beschuldigt, in Verbrechen der Wehrmacht bei der Partisanenbekämpfung verstrickt gewesen zu sein. Der frühere UN-Generalsekretär weist jede Schuld von sich. Am 8. Juni 1986 wird Kurt Waldheim mit fast 54 Prozent der Stimmen zum Bundespräsidenten gewählt. Ein junger Wiener schafft das Unmögliche: "Rock me Amadeus" wird Anfang 1986 in den USA zum Hit: Am 20. März wird der Titel Nummer 1 der Billboard-Charts und kann diesen Platz drei Wochen lang halten. Hans Hölzl alias Falco (1957-1998) wird über Nacht zum Weltstar. Jung, sportlich, trendy gekleidet und immer einen flotten Spruch auf den Lippen - so einen Politiker hat es in Österreich bis jetzt nicht gegeben. Manche glauben, dass "der Jörg" endlich mit allen Missständen aufräumen wird. Jörg Haider (1950-2008) ist seit wenigen Wochen Parteiobmann der FPÖ - Siegfried Kampl erzählt von seinem Aufstieg. Am 4. November 1988 hat das Drama "Heldenplatz" von Thomas Bernhard (1931-1989) unter der Regie von Claus Peymann Premiere. Herr und Frau Österreich werden mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Namhafte Politiker verlangen die Absetzung des Stückes, das Bundespräsident Kurt Waldheim als "grobe Beleidigung des österreichischen Volkes" bezeichnet. Der Machtwechsel in Moskau und Michail Gorbatschows Kurs von Glasnost und Perestroika haben den Impuls für Veränderungen in Ungarn gegeben. Die Regierung von Miklos Nemeth beginnt im November 1988 mit der Einführung von Reformen wie der Aufhebung der Grenzsperren in Richtung Österreich. Anfang September öffnet Ungarn seine Grenze zu Österreich, was die Ausreise tausender DDR-Bürger zur Folge hat. Der Name Franz Fuchs (1949-2000) ist heute noch jedem bekannt: Eine Serie von Briefbomben erschüttert in den 1990er Jahren das Land; unter den Opfern ist der Ex-Bürgermeister von Wien Helmut Zilk (1927-2008). Der Untersuchungsrichter Erik Nauta berichtet darüber. Folge 6 - Wir sind keine Insel Die letzte Episode steht im Zeichen von EU, Katastrophen, Skandalen, Verbrechen und einem Oscar. Ohne die Europäische Union wäre die politische Diskussion in Österreich, spätestens seit dem Beitritt Österreichs am 1. Jänner 1995, undenkbar. Ex-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel spricht über die langen Verhandlungsnächte vor dem Beitritt. Um die Jahrtausendwende bildet sich eine Regierungskoalition aus FPÖ und ÖVP: Elisabeth Gehrer erzählt von dem erzwungenen unterirdischen Gang zur Angelobung. Die Ortschaften Galtür, Lassing, Kaprun stehen für die größten Katastrophen dieser Zeit. Zeugen und Beteiligte berichten von dem Erlebten und den Untersuchungen. Stefan Ruzowitzkys Drama "Die Fälscher" wird 2008 mit dem Oscar für den besten ausländischen Film ausgezeichnet. Der Regisseur erzählt von der Preisverleihung.


